Die Romareisen


Diese Ausstellung in Iserlohn im Jahre 2008 ist wirklich bemerkenswert. Es sind Blicke auf eine Welt, die wir so nie sehen werden. Aber das Auge des Fotografen und die Fotos geben uns Blicke in eine fremde und doch nahe Welt.


Worum geht es dabei? Im portalkunstgeschichte.de schreibt Verena Paul dazu: „Sechs Jahre lang, zwischen 2000 und 2006, reiste der Fotograf gemeinsam mit seiner Frau, der Schriftstellerin Cia Rinne, mit Roma– und Sinti–Familien durch Europa und Indien. Die Roma, Sinti, Calé und andere Volksgruppen, die häufig unter dem Begriff »Zigeuner« subsumiert werden, bilden die größte ethnische Minderheit Europas. Sie wurden in ihrer Geschichte diskriminiert, verjagt, versklavt und ermordet – sogar heute begegnet man ihnen noch, wie der meist negative Gebrauch des Wortes »Zigeuner« beweist, im besten Fall mit Argwohn. Indem Joakim Eskildsen und Cia Rinne viel Zeit mit diesen Familien verbrachten, konnten sie einfühlsam vom Leben, vom Alltag und von der Kultur eines Volkes berichten, das über den ganzen Globus verteilt lebt. Die dabei entstandene Fotoserie ist somit ein sehr persönliches Dokument der Annäherung.“

Mich faszinierte in der photonews bei den abgebildeten Fotos dieser Zauber der Farben. Es war fast so als ob die Fotos gemalt worden wären. Sie waren so freundlich „nackt“, dass mich mein Weg nach Iserlohn führte, weil dort die Ausstellung zu sehen war.

Ich muss sagen, gerade in Iserlohn scheint der richtige Ort für diese Ausstellung zu sein.

Denn Iserlohn ist eine normale Stadt und nicht das Zentrum der Geschichte. Und die Ausstellung zeigt den Alltag des Lebens der Roma und passt deshalb auch so wunderbar nach Iserlohn.

Als ich ankam regnete es nicht. Es war kühl und einige Sonnenstrahlen wagten sich durch die Wolken. So entdeckte ich die Stadt aus dem Parkhaus heraus. Ich entdeckte die Schönheiten einer lebendigen Stadt. Es war Wochenmarkt, die Menschen strömten durch die Strassen und die Gespräche der Menschen waren das sichtbarste Zeichen einer lebendigen Kultur.

Als ich die Städtische Galerie betrat erlebte ich eine wunderbare Überraschung.
Es war ein Ort, der Wärme, Freundlichkeit und Offenheit ausstrahlte und dabei zugleich beruhigend ruhig wirkte. Sobald ich die Städtische Galerie durch die grosse Holztür betreten hatte, sah ich die gläserne Tür und nach dem Öffnen der Tür war ich schon mittendrin in der Ausstellung.

Zehn Meter weiter lief eine Sendung der Reihe Metropolis von arte mit einem Portrait der Autoren Joakim Eskildsen und Cia Rinne und links von mir sah ich schon die ersten Fotos. Alle ca. 60x80 gross in schönen weissen Rahmen und alles Farbfotos.

Dezent klebten schwarze Pfeile auf dem Boden, die die Richtung der Ausstellung wiesen. Die Räume waren sehr freundlich und hell. An diesem Ort fühlte ich mich wohl. Die Hinwendung zu den einzelnen Fotos erlaubte einen Dialog mit jedem einzelnen Bild.

Jedes Bild erzählte eine Geschichte. Aber die Bilder einzeln sind erst durch ihren Zusammenschluss ein echtes Ganzes. Die Ausstellung in Iserlohn war auf zwei Etagen verteilt. Die lineare Darstellung der Bilder und ihre Anordnung im Verhältnis zum Licht gaben der Ausstellung eine deutlich freundliche Note.

Und es gelingt der Ausstellung auch, ein Gefühl für die Lebensweise der Roma zu vermitteln, die so verschieden sind wie wir und unsere Nachbarn.

In meinen Augen war Iserlohn der richtige Platz für diese Ausstellung, weil diese Stadt deutschen Alltag darstellt, mit ihren Licht- und Schattenseiten. Und mittendrin ist diese Ausstellung, die zeigt, wie verschieden die Menschen sind und wie gleich zugleich trotz all der unterschiedlichen Kleidung und Lebensweise.

Ohne Worte

Nun kann man ja eine Ausstellung schlecht in Worte fassen, weil sie auf jeden Menschen anders wirkt. Aber für mich hat es sich gelohnt. Es hat sich gelohnt, Iserlohn zu entdecken, es hat sich gelohnt, die Ausstellung besucht zu haben und es hat sich gelohnt, dies den Leserinnen und Lesern dieses Artikels mitzuteilen.

Aber eines habe ich noch. Zu der Ausstellung ist ein Buch im Steidl-Verlag erschienen für 60 Euro. Da ein solcher Bildband für diesen Preis sicherlich 30 oder 40 Jahre gesammelt und stabil überstehen sollte, ist es mir ein Rätsel, wieso der Einband den Eindruck erweckt, nach mehrmaligem Aufschlagen sich langsam zu destabilisieren. Damit tut sich der Verlag keinen Gefallen und den Autoren und Käufern tut der Verlag damit auch keinen Gefallen.